Aktuelles

GeBO – Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken
Pressemitteilung
Bayreuth, 15.06.2018

Forensik rockt die Kunst

Kunst bietet einen anderen Zugang zum Leben. Sie bietet einen anderen Zugang zum Menschen. Volkmar Blendl, Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth stellte dies besonders heraus, als er eine ganz besondere Ausstellung eröffnete, die noch bis 5. August im Diagnostikzentrum des Bezirkskrankenhauses zu sehen ist: Artcore@live.

Hinter diesem Titel verbirgt sich Kunst von harten Jungs. Patienten der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bayreuther Bezirkskrankenhaus gestalteten mit der Künstlerin Ute Baumann Kunst, die Gefühle zu zeigen vermag.

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Gefühle über die Kunst ausdrücken. Bild: Daniela Riedl, BKH Bayreuth Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

Über Gefühle zu reden ist keine leichte Sache. Doch es ist wichtig, besonders, wenn man sich mit seiner Biografie auseinander setzen will oder, im Rahmen einer Therapie, muss. „Hier bietet Kunst eine nonverbale Möglichkeit“, sagt Sozialpädagoge Daniel Golla. Denn in der Kunst – ob beim Schwarzlichttheater, der bildenden Kunst, der Fotografie – kann man sein Innerstes nach außen kehren, ohne groß nach Worten suchen zu müssen. Kunst, sagt Golla, stoße bei den Patienten viele Prozesse an, die sonst nicht passieren, „es gelingt den Patienten, etwas zu schaffen“.

Die Künstlerin Ute Baumann arbeitet bereits zum dritten Mal mit Patienten der Forensik zusammen, die Therapie-Gruppe, die sich den Namen artcore@live gegeben hat, sei im Laufe des Projekts sehr zusammen gewachsen, obwohl sie sich immer wieder neu sortiert, da Patienten neu hinzukommen, andere wieder entlassen werden. Diesmal entstanden Fotografien. „Die Bilder erzählen etwas ganz Tiefes“ der Patienten, die die Bilder geschaffen haben. Da mit Schwarzlicht gearbeitet wurde, können sich die Patienten sogar in Szene setzen, ohne gleichzeitig erkannt zu werden. „Du leuchtest, bist aber unsichtbar“, formuliert es Ute Baumann – die Kunst fungiert als Schutzschild und legt gleichzeitig vieles offen. Sozialpädagogin Ramona Espig ergänzt: „Wo die Sprache nicht hinkommt, kommt das Licht hin.“

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Patientenkunst mit Schwarzlicht. Bild: Daniela Riedl, BKH Bayreuth Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

Bei der Vernissage gab es zudem noch Musik. Und auch die, natürlich, bot einen ganz besonderen Zugang zu den Menschen. Zwei Patienten der Klinik für Forensische Psychiatrie rappten über ihr Leben.

Info: Die Ausstellung artcore@live ist bis 5. August, täglich von 8 bis 17 Uhr, im Diagnostikzentrum des Bezirkskrankenhauses Bayreuth zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

 

April 2018

Aktualisierter Bezugspflegestandard Bayern

Bereits 2007 hat der Arbeitskreis der Pflegedienstleitungen im Maßregelvollzug Bayern den Standard Bezugspflege in den bayerischen Maßregelvollzugseinrichtungen erarbeitet. Ziel ist es, die Bezugspflege als konsentierte Organisationsform in der forensisch-psychiatrischen Pflege zu definieren und in erster Linie strukturelle Rahmenbedingungen für die Bezugspflege festzulegen, die in den einzelnen Kliniken vor Ort mit spezifischen Inhalten ergänzt werden sollten. Der Standard wurde nun durch den Arbeitskreis aktualisiert.

Unter Bezugspflege versteht man ein patientenorientiertes Organisationsprinzip, bei dem jedem Patienten eine Bezugspflegekraft zugeordnet wird, die für seine zielgerichtete, individuelle Pflege verantwortlich ist. (Vgl. Müller-Isberner R., Born P., Eucker S., Eusterschulte B. (Hrsg.) 2017).

Bei der Überarbeitung war es von zentraler Bedeutung, den aktuellen pflegewissenschaftlichen Stand sowie die Erfahrungen aus den Kliniken zu berücksichtigen und den Standard inhaltlich orientierend weiterzuentwickeln. Durch den bayernweit gültigen Bezugspflegestandard wird die professionelle, kontinuierliche und alltagsbegleitende Beziehungsarbeit der Pflege auf ein gemeinsames Niveau gehoben und liefert so einen umfassenden Beitrag zur Einschätzung von Stärken und Schwächen der Patienten im Maßregelvollzug sowie zum frühzeitigen Erkennen von potentiellen Gefahrenquellen hinsichtlich der Therapie und der Sicherheit.

 

16.01.2018

Praktische Hinweise & Informationen für untergebrachte Personen im Maßregelvollzug

Die Aufnahme in einer Maßregelvollzugseinrichtung ist für die untergebrachten Personen ein einschneidendes Erlebnis. Daraus entstehen bei den Betroffenen viele Fragen. Das Amt für Maßregelvollzug im Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) hat erstmals eine Broschüre erstellt, die Antworten auf diese Fragen gibt.

Die Infobroschüre „Hinweise für untergebrachte Personen im Maßregelvollzug“ vermittelt allgemeine Informationen zum Maßregelvollzug in Bayern und fasst in vereinfachter und verständlicher Form die wesentlichen Rechte und Pflichten während der Unterbringung zusammen.

„Die Hinweise sollen einen weiteren Beitrag zu mehr Transparenz leisten. Ich verbinde damit die Erwartung, dass mit einer umfassenden Information der untergebrachten Personen das Miteinander und die Kommunikation im therapeutischen Prozess gestärkt und die Therapie im Maßregelvollzug gefördert wird.“, so Dr. Dorothea Gaudernack, Leiterin des Amts für Maßregelvollzug.

Die Broschüre entstand in Zusammenarbeit mit im Maßregelvollzug Beschäftigten aber auch mit Patienten.

Aktuell erhalten die untergebrachten Personen der bayerischen Maßregelvollzugseinrichtungen sowie alle neu aufgenommene Personen diese Hinweise.

                                                                  

Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration 
Pressemitteilung  
München, 27.November 2017

Eröffnung der ersten bayerischen Jugendforensik in Regensburg

Der Freistaat hat 40 Millionen Euro in den Neubau einer Jugendforensik und die Erweiterung der Erwachsenenforensik in Regensburg investiert – am Montag, den 27. November wurde die neue Einrichtung feierlich eröffnet. „Die Jugendforensik in Regensburg ist ein besonders wichtiger Baustein im Maßregelvollzugsangebot des Freistaats Bayern“, betonte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller, „hier können wir Jugendliche mit psychischen Problemen gerade auch dann optimal versorgen, wenn sie straffällig geworden sind.“

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Dr. Dorothea Gaudernack (ZBFS-Amt für Maßregelvollzug), Sozialministerin Emilia Müller, Dr. Michael Hübsch (Referatsleiter Sozialministerium) und Bezirkstagspräsident Franz Löffler lassen sich vom kommissarischen Leiter der Jugendforensik, Dr. Christian Schlögl, die Einrichtung zeigen. Bild:medbo

Der Neubau der Jugendforensik umfasst 20 Plätze. Die Behandlung der jungen Menschen verfolgt neben der Therapie der psychischen Erkrankung einen pädagogischen Ansatz aus Erziehung und Bildung. Damit werden den Jugendlichen und Heranwachsenden Perspektiven in Aussicht gestellt und Angebote gemacht, um sie optimal auf ein straffreies Leben vorzubereiten. Das Ärzteteam ist besonders qualifiziert für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (Jugendpsychiater und Forensiker).

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Besichtigung der modernen Arbeitstherapiewerkstatt. Bild:medbo

Franz Löffler, der Bezirkstagspräsident der Oberpfalz, betonte anlässlich der Einweihung: „Unser Hauptanliegen ist, forensische Patienten wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Wir möchten die positive Arbeit mit den Patienten der Erwachsenenforensik fortsetzen und die Jugendforensik ebenso erfolgreich machen.“