Aktuelles

Bezirkskliniken Schwaben

Pressemitteilung

Augsburg, 07.07.2020

Die neue FONA in Günzburg ist in Betrieb und soll nun mit Leben erfüllt werden

Wegen Corona keine Einweihung der FONA: Die neue Forensische Nachsorgeambulanz am Standort Günzburg ist fertig und hat – wegen der außergewöhnlichen Umstände – relativ still und unbemerkt von der Öffentlichkeit ihren Betrieb aufgenommen. Eigentlich sollte der Neubau, der 1,4 Millionen Euro gekostet hat, schon im Sommer 2019 bezogen werden. Doch wegen der boomenden Konjunktur und des Mangels an Baufirmen kam es zu einer zeitlichen Verzögerung. „In der ersten März-Woche 2020 sind wir umgezogen - noch vor der ersten Allgemeinverfügung“, berichtet der zuständige Oberarzt Dr. Dieter Hagmayer. Dann kam das Coronavirus mit voller Wucht, der Katastrophenfall wurde ausgerufen, es folgte der Lockdown. An eine Einweihungsfeier mit vielen geladenen Gästen und freudigem Beisammensein war nicht mehr zu denken.

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Am Eingangsbereich der neuen FONA (Haus 84): (von links) Prof. Dr. Manuela Dudeck, Ärztliche Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Mitarbeiterin Natascha Becker und Einrichtungsleiter Dr. Dieter Hagmayer
Bild: Schalk, Bezirkskliniken Schwaben

Für die Inbetriebnahme spielte das keine Rolle. Seit mehreren Monaten unterstützt die Forensische Nachsorgeambulanz nun in neuer Umgebung Forensik-Patienten beim Übergang von ihrer Entlassung aus dem Maßregelvollzug zur möglichst vollständigen Wiedereingliederung in die Gesellschaft. „Dieser Übergang ist gesetzlich verankert. Für jeden aus dem Maßregelvollzug Entlassenen tritt automatisch eine Führungsaufsicht ein“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Manuela Dudeck, Lehrstuhlinhaberin an der Universität Ulm und Ärztliche Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie des Bezirkskrankenhauses (BKH) Günzburg. Dazu erlässt die zuständige Strafvollstreckungskammer entsprechende Weisungen. So bietet die FONA einerseits Hilfe bei Bewerbungen, der Wohnungssuche oder bei allen anderen sozialen Problemen an. Andererseits hat sie aber auch Kontrollfunktion: Die psychisch kranken oder suchtkranken Patienten – insgesamt sind es um die 70 – müssen sich regelmäßig Alkohol- und Drogenkontrollen unterziehen. Blutuntersuchungen finden statt, um zum Beispiel die Medikamentenspiegel zu bestimmen. „Im Schnitt bleiben die Patienten zwei bis fünf Jahre unter der Obhut unserer FONA“, sagt Prof. Dudeck.

Die Ärztliche Direktorin ist sehr froh, dass die Zeiten, in denen die Ambulanz „in sehr unzulänglichen, baufälligen Räumen“ im Haus 56 untergebracht war, vorbei sind. „Wir brauchen mehr Leben. Jetzt ist endlich mehr Platz da“, sagt sie. Dr. Hagmayer, der die Forensische Nachsorgeambulanz in Günzburg seit 2015 leitet, zählt die Räume auf, die im Neubau geschaffen wurden: sieben Therapie- und zwei Behandlungszimmer, zwei Konferenzräume, eine große Behindertentoilette, ein Archiv für Patientenakten, ein Technikraum mit Heizungsanlage für die Fußbodenheizung im Gebäude, Elektrik, IT und zentraler Brandmeldeanlage. Herzstück ist das Atrium, ein heller, lichtdurchfluteter Innenhof, um den herum alle Gänge und Zimmer angeordnet sind.

Eingangsbereich - Atrium - 6
Der Zugangsbereich im Inneren vor dem Atrium ist hell und freundlich.
Bild: Schalk, Bezirkskliniken Schwaben

Durchschnittlich bleiben Patienten, die nach Paragraf 64 des Strafgesetzbuches (StGB) in die Günzburger Maßregelvollzugsklinik eingewiesen wurden, zwei Jahre dort. Sie wurden in eine Entziehungsanstalt eingewiesen, weil sie wegen einer Suchtkrankheit straffällig geworden sind oder während der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss standen. Der Paragraph 63 StGB bestimmt, dass psychisch kranke und/oder intelligenzgeminderte Straftäter in die Klinik eingewiesen werden. Ihre Unterbringung ist zunächst auf sechs Jahre befristet und richtet sich nach den Behandlungserfolgen des jeweiligen Patienten. „Im Schnitt sind diese Menschen vier bis sechs Jahre bei uns in der Klinik“, berichtet Prof. Dudeck. So ist zu verstehen, warum es notwendig ist, jemanden „an die Hand zu nehmen“, der nach so langer Zeit zurück in die Gesellschaft kommen soll. Fehlte diese Unterstützung und gäbe es nur eine „abrupte Entlassung“, würde er es wohl nicht schaffen und rückfällig werden. Diese Hilfe beginnt bei der Suche nach einer Wohnung, reicht über Beratung bei einer Antragsstellung, Begleitung bei Behördengängen und erstreckt sich bis zur Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt.

In der FONA Günzburg arbeiten Ärzte, (Fach-) Pflegekräfte, Sozialpädagogen, Psychologen sowie eine medizinische Fachangestellte. „Etwa 60 Prozent unserer Arbeit findet bislang aufsuchend statt“, berichtet Dr. Hagmayer. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Schwaben in einem Gebiet unterwegs, das sich in etwa von Nördlingen bis Memmingen und von Neu-Ulm bis Dasing erstreckt. Wie sieht die Wohnung des Patienten aus? Wie geht es an seinem Arbeitsplatz? Diesen Fragen gehen sie nach und schauen sich vor Ort bei den Betroffenen um „Wenn ein FONA-Patient nicht will, dass man ihn an seiner Arbeitsstelle besucht, dann richten wir uns danach“, ergänzt Prof. Dudeck. Die meisten erfolgreichen Jobvermittlungen kommen über Zeitarbeitsfirmen zustande.

Nach dem Wunsch der Ärztlichen Direktorin und des Einrichtungsleiters sollen die neuen Räume der FONA mit Leben erfüllt werden. Das Coronavirus, dem man mit Abstandsregeln, Distanz und möglichst wenig persönlichen Kontakte begegnete, stand dieser Idee entgegen. „Wir haben die Patienten angeschrieben, welche Angebote sie sich von uns wünschen“, so Prof. Dudeck. Die neue Einrichtung möchte nun – sobald dies möglich ist – beispielsweise Angehörigengruppen, Sozialsprechstunden, Sport- und Ergotherapie sowie Ohrakupunktur anbieten. All dies soll eine möglichst gute Re-Integration der Patienten in die Gesellschaft befördern. Ein Neubau ist das eine, ihn mit Leben zu erfüllen und ein gutes Konzept für die weiteren Schritte zu haben, das andere.  

Übrigens: Haus 56 wird kommenden Winter abgerissen und weicht dem Neubau eines Pflegeheimes für den Geschäftsbereich „Wohnen und Fördern“.

 

 

Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
Pressemitteilung  
München, 12. August 2019


Neuausrichtung des Bezirkskrankenhauses Straubing
Sozialministerin Schreyer: „Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen“


Neue Therapien, veränderte Rechtsprechung: Die Anforderungen an den Maßregelvollzug haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Deswegen sollen der bayerische Vollstreckungsplan geändert und die Maßregelvollzugseinrichtungen weiterentwickelt werden – auch das Bezirkskrankenhaus Straubing. Darauf haben sich Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer und der niederbayerische Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich bei einem Gespräch verständigt.


Der Bezirk Niederbayern, Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr und der Maßregelvollzugsbeirat im BKH Straubing, vertreten durch den Vorsitzenden MdL Josef Zellmeier und seinen Stellvertreter MdL Toni Schuberl, haben sich zu einem Gespräch im Bayerischen Sozialministerium getroffen. Sozialministerin Kerstin Schreyer und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich haben sich in diesem Gespräch weiter darauf verständigt, dass unter der Leitung des Bezirks ein neues Konzept für die Einrichtung erarbeitet wird. Im Bezirkskrankenhaus (BKH) Straubing sind bisher besonders behandlungs- und sicherungsbedürftige Patienten aus ganz Bayern untergebracht. Ministerin Schreyer: „Wir wollen die Bezirkskliniken so aufstellen, dass diese Patienten in jeder bayerischen Forensik untergebracht werden können und die therapeutisch sinnvollen Lockerungen im Heimatbezirk möglich sind. Damit berücksichtigen wir auch die Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung in Straubing.“ Patienten, die zur Lockerung anstehen, sollen nach Möglichkeit zunächst noch in andere Bezirkskliniken verlegt, künftig in Straubing nur noch Patienten aus Nieder-bayern untergebracht und gelockert werden.


Das Zukunftsmodell soll auch im Straubinger Stadtrat erläutert werden. Die Neukon-zipierung wird vom Bezirk Niederbayern in Zusammenarbeit mit dem Amt für Maß-regelvollzug entwickelt. Bis zum Herbst soll eine Arbeitsgruppe erste Ergebnisse vorlegen.

 

 

Mai 2019

Fachtag "Regligiös begründete Radikalisierung im  Kontext von Psychiatrie und Psychologie"

Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales veranstaltete am 27. September 2018 in Zusammenarbeit mit dem Amt für Maßregelvollzug einen Fachtag zum Thema "Religiös begründete Radikalisierung im Kontext von Psychiatrie und Psychologie". Die Dokumentation über den sehr erfolgreichen Fachtag finden Sie hier:

Fachtag Religiös begründete Radikalisierung im Kontext von Psychiatrie und Psychologie

 

Februar 2019

Miteinander statt Gegeneinander: Kooperation zwischen forensischen Kliniken und Angehörigen

Die Unterbringung in einer forensischen Klinik ist nicht nur für die untergebrachte Person sondern auch häufig für deren Angehörige eine Belastung. Sie stehen vor vielen neuen Fragen und Problemen.

Die Landesverbände der Angehörigen psychisch Erkrankter aus Bayern und Baden-Württemberg laden zum Austausch zum Thema und zur Verbesserung der Kommunikation und Kooperation am 15. Februar 2019 zu einer Tagung nach Günzburg ein.

Flyer zur Veranstaltung

 

GeBO – Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken
Pressemitteilung
Bayreuth, 15.06.2018

April 2018

Aktualisierter Bezugspflegestandard Bayern

Bereits 2007 hat der Arbeitskreis der Pflegedienstleitungen im Maßregelvollzug Bayern den Standard Bezugspflege in den bayerischen Maßregelvollzugseinrichtungen erarbeitet. Ziel ist es, die Bezugspflege als konsentierte Organisationsform in der forensisch-psychiatrischen Pflege zu definieren und in erster Linie strukturelle Rahmenbedingungen für die Bezugspflege festzulegen, die in den einzelnen Kliniken vor Ort mit spezifischen Inhalten ergänzt werden sollten. Der Standard wurde nun durch den Arbeitskreis aktualisiert.

Unter Bezugspflege versteht man ein patientenorientiertes Organisationsprinzip, bei dem jedem Patienten eine Bezugspflegekraft zugeordnet wird, die für seine zielgerichtete, individuelle Pflege verantwortlich ist. (Vgl. Müller-Isberner R., Born P., Eucker S., Eusterschulte B. (Hrsg.) 2017).

Bei der Überarbeitung war es von zentraler Bedeutung, den aktuellen pflegewissenschaftlichen Stand sowie die Erfahrungen aus den Kliniken zu berücksichtigen und den Standard inhaltlich orientierend weiterzuentwickeln. Durch den bayernweit gültigen Bezugspflegestandard wird die professionelle, kontinuierliche und alltagsbegleitende Beziehungsarbeit der Pflege auf ein gemeinsames Niveau gehoben und liefert so einen umfassenden Beitrag zur Einschätzung von Stärken und Schwächen der Patienten im Maßregelvollzug sowie zum frühzeitigen Erkennen von potentiellen Gefahrenquellen hinsichtlich der Therapie und der Sicherheit.

 

16.01.2018

Praktische Hinweise & Informationen für untergebrachte Personen im Maßregelvollzug

Die Aufnahme in einer Maßregelvollzugseinrichtung ist für die untergebrachten Personen ein einschneidendes Erlebnis. Daraus entstehen bei den Betroffenen viele Fragen. Das Amt für Maßregelvollzug im Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) hat erstmals eine Broschüre erstellt, die Antworten auf diese Fragen gibt.

Die Infobroschüre „Hinweise für untergebrachte Personen im Maßregelvollzug“ vermittelt allgemeine Informationen zum Maßregelvollzug in Bayern und fasst in vereinfachter und verständlicher Form die wesentlichen Rechte und Pflichten während der Unterbringung zusammen.

„Die Hinweise sollen einen weiteren Beitrag zu mehr Transparenz leisten. Ich verbinde damit die Erwartung, dass mit einer umfassenden Information der untergebrachten Personen das Miteinander und die Kommunikation im therapeutischen Prozess gestärkt und die Therapie im Maßregelvollzug gefördert wird.“, so Dr. Dorothea Gaudernack, Leiterin des Amts für Maßregelvollzug.

Die Broschüre entstand in Zusammenarbeit mit im Maßregelvollzug Beschäftigten aber auch mit Patienten.

Aktuell erhalten die untergebrachten Personen der bayerischen Maßregelvollzugseinrichtungen sowie alle neu aufgenommene Personen diese Hinweise.

                                                                  

Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration 
Pressemitteilung  
München, 27.November 2017

Eröffnung der ersten bayerischen Jugendforensik in Regensburg

Der Freistaat hat 40 Millionen Euro in den Neubau einer Jugendforensik und die Erweiterung der Erwachsenenforensik in Regensburg investiert – am Montag, den 27. November wurde die neue Einrichtung feierlich eröffnet. „Die Jugendforensik in Regensburg ist ein besonders wichtiger Baustein im Maßregelvollzugsangebot des Freistaats Bayern“, betonte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller, „hier können wir Jugendliche mit psychischen Problemen gerade auch dann optimal versorgen, wenn sie straffällig geworden sind.“

Forensik-besichtigung
Dr. Dorothea Gaudernack (ZBFS-Amt für Maßregelvollzug), Sozialministerin Emilia Müller, Dr. Michael Hübsch (Referatsleiter Sozialministerium) und Bezirkstagspräsident Franz Löffler lassen sich vom kommissarischen Leiter der Jugendforensik, Dr. Christian Schlögl, die Einrichtung zeigen. Bild:medbo

Der Neubau der Jugendforensik umfasst 20 Plätze. Die Behandlung der jungen Menschen verfolgt neben der Therapie der psychischen Erkrankung einen pädagogischen Ansatz aus Erziehung und Bildung. Damit werden den Jugendlichen und Heranwachsenden Perspektiven in Aussicht gestellt und Angebote gemacht, um sie optimal auf ein straffreies Leben vorzubereiten. Das Ärzteteam ist besonders qualifiziert für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (Jugendpsychiater und Forensiker).

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Besichtigung der modernen Arbeitstherapiewerkstatt. Bild:medbo

Franz Löffler, der Bezirkstagspräsident der Oberpfalz, betonte anlässlich der Einweihung: „Unser Hauptanliegen ist, forensische Patienten wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Wir möchten die positive Arbeit mit den Patienten der Erwachsenenforensik fortsetzen und die Jugendforensik ebenso erfolgreich machen.“